Teilzeitchef

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Weil mein Arbeitsgeber kein 50% Pensum wollte, gab ich meinen IT-Job auf und wurde Shiatsu-Praktiker. Zwei Jahre später ging es plötzlich doch: Ich kam zurück zur Bank und arbeite unterdessen 80% in einer Führungsposition. Der Sprung ins Ungewisse war es wert.

 

Ari Byland, 33,
Aarau

 

 

www.aarau-shiatsu.ch

 

 

 

 

 

«Ich wagte den Sprung und verbaute mir nichts»

 

«Als ich vor fünf Jahren Vater einer Tochter wurde, stand für mich ausser Frage, dass ich meinen Beitrag an die Kinderbetreuung leisten wollte. Meine Partnerin und ich entschieden uns, die Erziehung zu teilen. Mindestens einen Tag pro Woche wollte ich zuhause zuständig sein und meine Tochter aufwachsen sehen. Auch für meinen Arbeitgeber, eine Bank, war ein Papa-Tag unproblematisch. Ich war nicht der erste im Team, der 80 Prozent arbeitete: Dass Präsenz auch von zu Hause aus funktioniert, musste ich niemandem mehr beweisen. So stand meinem Glück eigentlich nichts im Weg.

Doch es kam alles anders. Zuerst trennte ich mich von meiner Partnerin. Die Trennung war hart. Die Mutter zog mit unserer zweijährigen Tochter nach Deutschland. Ich brauchte also mehr Zeit, um meine Tochter weiterhin zu sehen. Gleichzeitig wollte ich im Beruf etwas verändern. Ich absolvierte eine Shiatsu-Ausbildung. Soviel Wunsch nach Freiheit war dem Arbeitgeber aber zu viel: Mein Antrag auf ein 50-%-Pensum wurde abgelehnt. Ich liess mich davon nicht abschrecken und suchte andere Wege. Ich war bereit, etwas zu riskieren und zu kündigen.

Der Sprung ins Ungewisse eröffnete mir neue Horizonte. Ich hatte nun nicht nur Zeit, um meine Tochter zu besuchen und eine eigene Shiatsu-Praxis zu eröffnen. Jetzt wurde plötzlich ein weiterer Traum Realität. Ich bewarb mich als Koch in meinem Lieblingsrestaurant in Aarau. Dort erhielt ich die Chance. Zwei Jahre lang arbeitete ich in einem 50-Prozent-Pensum als Koch. Ich liebte es, frisch zu kochen. Dabei experimentierte ich auch mit der Mischung meines persönlichen Teilzeitmodells. Ich genoss die Freiheit, keinen 9-to-5-Job zu haben. Pikante Zutaten sorgten für Abwechslung.

Langfristig erwies sich das Modell aber nicht als dauerhaft. Letztlich generierten meine drei Standbeine zu wenig Lohn. Drei Teilzeitjobs sind überdies sehr aufwändig zu koordinieren. Das gab den Ausschlag, dass ich einem Angebot meines früheren Arbeitgebers nicht widerstehen konnte. Jetzt arbeite ich wieder als IT-Entwickler bei der Bank, immer noch Teilzeit, aber neu auch in einer Führungsposition.

Mit einem Pensum von 80 Prozent ist das kein Problem. Die Beförderung war für mich die Bestätigung, dass sich der Mut zu einem steinigen Weg gelohnt hat. Man findet nicht alles im Job. Die Erfahrungen, sich dem zu widmen, was man wirklich will, sind es immer wert. Um Raum und Zeit für mich zu gewinnen, hatte ich Widerstände überwunden. Verbaut habe ich mir trotzdem nichts – auch nicht mit der zwischenzeitlichen Trennung vom Arbeitgeber.»

 

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